Okinawa-Te: Vorläufer des heutigen Karate

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Durch den regen Reiseverkehr zwischen China und Okinawa erreichten deren Kampfkünste auch die Ryu-Kyu-Inselgruppe im Pazifik, deren Hauptinsel Okinawa ist. Okinawa liegt etwa 500 Kilometer von der japanischen Insel Kyushu und 800 Kilometer vom chinesischen Festland entfernt. Die Insel hatte aufgrund ihrer speziellen geografischen Lage einen hohen Stellenwert als Handelszentrum mit den benachbarten Ländern China, Korea, Taiwan und Japan.
Der kulturelle und politische Einfluss der Nachbarländer führte dazu, dass sich auch die in diesen Ländern praktizierten Kampfkünste in bestimmten Regionen Okinawas verbreiteten. Es ist jedoch nicht anzunehmen, dass sich das sogenannte Okinawa-Te (Vorläufer des heutigen Karate) ausschließlich deshalb oder daraus entwickelt hat. Die Entstehung des Te (Kampf mit der Hand) geht vielmehr auf ein von König Sho Shin bereits im Jahre 1429 erlassenes Waffenverbot zurück, welches einige Meister dazu veranlasste, den Kampf mit der hohlen Hand zu lehren. Je nach Berufsstand und sozialer Tradition entwickelten sich daraus unterschiedliche Kampfstiele.

Im Jahr 1609 besetzten die Japaner Okinawa und unter der Herrschaft des japanischen Satsuma Clans wurde auch die Kampfkunst Te verboten. Dies führte dazu, dass diese nur noch im verborgenen ausgeübt wurde und zur Entstehung dessen, was wir heute als Kata bezeichnen. In den sogenannten Katas konnten die verbotenen Kampftechniken verschlüsselt zum Ausdruck gebracht und geübt werden. Das Erlernen einer Kampfkunst galt zum damaligen Zeitpunkt ausschließlich dem Zweck einen an Ausrüstung und Waffen überlegenen Angreifer mit einer entscheidenden Technik außer Kraft zu setzen oder sogar zu töten. Das Ende der Satsuma-Herrschaft im Jahre 1872 und die daraufhin einsetzende reformorientierte Politik der Meiji-Regierung ließ die Entfaltung und Verbreitung der Kampfkünste im ganzen Land wieder zu. Dadurch entstand eine große Rivalität zwischen den einzelnen Stilrichtungen und Schulen, was teilweise zu offen ausgetragenen Konflikten führte und dem Ansehen des Te schadete.